Biogasanlage Fronhausen
Mit dem Bau der Anlage wurde im Oktober 2010 begonnen. Die technische Inbetriebnahme fand 3 Monate später am 20.12.2010 statt. Die Anlage umfasste einen Motor (Blockheizkraftwerk) mit einer installierten elektrischen Leistung von 250 kW.
Eine Erweiterung der bestehenden Anlage erfolgte bereits ein Jahr später um einen weiteren Motor auf insgesamt 445 kW elektrische Leistung. Durch geänderte gesetzliche Anforderungen wurde im Jahr 2013 ein Antrag auf Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutz-Gesetz gestellt. Mit dieser Genehmigung wurden die Motoren auf zunächst 515 kW elektrische Leistung ertüchtigt.
Im Jahr 2017 wurde ein weiterer Motor installiert. Die momentane elektrische Leistung liegt nun bei 999 kW. Mit der nun fast doppelten Leistung soll nicht die doppelte Menge an Strom und Wärme produziert werden. Die Leistung soll sich über das Jahr gesehen nicht erhöhen. Vielmehr geht es darum, Strom und Wärme dann zu erzeugen wenn sie wirklich gebraucht werden.
Zudem wurde ebenfalls im Jahr 2017 ein weiterer Gärbehälter mit einem Nettovolumen von 6032 m³ errichtet. Dies ermöglicht eine noch besserer Vergärung der Einsatzstoffe. Durch den zusätzlichen Gärbehälter hat sich der Gasspeicher vergrößert sodass die Biogasanlage flexibler betrieben werden kann.
Die Biogasanlage besteht heute am Standort aus insgesamt drei Behältern und drei Blockheizkraftwerken. Eine tägliche und unabdingbare Arbeit auf der Anlage ist die Fütterung der Bakterien. Durch einen ausgewogenen Futtermix bilden diese sehr effizient Biogas. Unsere Fütterung setzt sich zusammen aus:
47% Gülle und Mist
43% Maissilage
10% Gras- und Roggensilage
Bei der Verbrennung des Biogases in den Blockheizkraftwerken entstehen max. 964 kW thermische Energie.
Ein 4-Personen-Haushalt verbraucht im Jahr durchschnittlich 5.000 kWh Strom. Die Biogasanlage kann somit im Jahr ca. 850 Haushalte mit Strom versorgen.
Um einen Quadratmeter in einem solchen Haushalt ein Jahr lang zu heizen, werden durchschnittlich ca. 145 kWh thermische Energie benötigt. Zusätzlich könnte die Biogasanlage also noch 20.000 m² Wohnfläche ein Jahr lang heizen. Das entspricht einer Größe von ca. zwei Fußballfeldern oder zweihundert 4-Personen-Haushalten.
Die anfallende Wärme wird hauptsächlich für die Grundversorgung des Nahwärmenetzes der Bioenergiegenossenschaft Fronhausen eG genutzt. Jedes Jahr werden dadurch mehr als 300.000 Liter Heizöl ersetzt.
Am Standort der Biogasanlage wird die Wärme genutzt, indem neben der Versorgung der umliegenden landwirtschaftlichen Gebäude auch eine Trocknung für Schüttgüter möglich ist.
Die Versorgung der Nahwärmegenossenschaft mit Wärme hat nach Ansicht der Betreiber ein höheres Bewusstsein für die Bedeutung erneuerbarer Energien geschaffen. Auch Besuchergruppen der Anlage zeigen Interesse daran, sich näher über das „System Biogas“ zu informieren.
Seit 2013 wird der Strom der Biogasanlage mit Hilfe eines Handelspartners (energy2market) an der Strombörse in Leipzig zum Tagespreis vermarktet. Zusätzlich wird durch die Möglichkeit der sekundenschnellen Motorenregelung nach Strombedarf das deutsche Stromnetz stabilisiert. Mit der Bereitstellung dieser sogenannten „Regelenergie“ wird ein großen Beitrag zur Energiewende geleistet. Wenn Prognosen zu Sonnenlicht und Windstärke und die danach berechnete voraussichtliche Stromproduktion von den tatsächlichen Gegebenheiten abweicht, können die Blockheizkraftwerke binnen Sekunden ihre Leistung entsprechend anpassen. Würde es keine Regelenergie geben, wären die Reduzierung bzw. die Anpassung eines Mehrbedarfs im deutschen Stromnetz deutlich schwerer umsetzbar.
Mehr zum Potential von Biogasanlagen sowie weiterer Infos finden Sie auch auf der Informationsseite strom4you.info.
